Donnerstag, 12. März 2009

Gedicht: Der Friedhof der namenlosen

Schnurstraks in die Wolken
die grauen, alten Häuser
gehen unter und über
in Farbe und Form

Architektur kann auch Verbrechen sein
Sind des Wolkenbauers Werke nur von kurzer Dauer
So belastet des Häuselbauers Tat die Massen
über lange Strecken und Zeiten
Oft hätte man gedacht
sie wären aus Sand und nicht Beton
und ein kleines Loch angebracht
in Wand oder Plafond
hätte über kurz oder lang
aus dem Problem ein nichtiges gemacht

und geht ein Bauarbeiter
mit einer Fließe in der Hand
für den geteilten Balkon
denkt man er wolle Löcher stopfen
aus denen dann Mäuse
gegen die brüchigen Fließen klopfen
und niemand hörts weil die Röhre tropfen
und man betäubt sich mit Malz und Hopfen
weil man muss und nicht weil man will
der Bauplan schafft nur Verdruss
denn schön ist sie schon
die offene Küche
doch verbreitet sie Gerüche
Auch sonst erscheint sie
eher planlos denn gut gedacht
Aus der Wohnung zweieinsieben
hört man wie der Fernseher lacht
und abends wenn die Kinder schlafen sollten
ist niemand da dem zu erklären
dass sie es heute doch nicht wollten
von Notwendigkeit erschiene
aus 219 hört man Schreie
Türen knallen, Worte fallen
die besser dort blieben wo sie waren
die zwei von gegenüber sind gerade am versöhnen
auch von oben hört man Stöhnen
doch man weiß sie verhöhnt ihn nur
doch Streit, Sex und Gerüche
sind nicht das einzige was man teilt
erfährt man bald im
Blätterwald von den Kronen
Aspest und auch der Schimmel
haben hier ihr Nest
in den Wänden die nur Sichtschutz
sind und auch da eher ungenützt
denn reibt man sie mit Fett ein
nimmt man auch am Bild teil
das ist das einzige Theater
das man hier hat
Denn man lebt in der Trabandenstadt
noch gehört sie zu Wien
niemand weiß wohin mit ihr
Wohin mit allen Leuten
die keinem was bedeuten
weder hier noch
in all den Städten wo sie wohnten
Die Häuser in denen sie leben
sind in und auf Sand gebaut
dort werden auch ihre Gräber sein
Auf dem Friedhof der namenlosen und der lebenden Toten

11.3.09

Mittwoch, 11. März 2009

Gedicht: Ode an die Freundschaft

Ich sollte eigentlich klüger sein
so dumm sind normale Menschen
nicht mal nach vier Flaschen Wein
Na das könnte übertrieben sein
Doch nein - es ist unerträglich
ich bemühe mich redlich
Aber jedes Mal wenn ich dich seh
Vergess ich dass ich Leute
die die Geschichte zirkulär begreifen
einfach nicht versteh
Es ist bestimmt schon einzweidreiviermal passiert
es hat zwar noch nie funktioniert
doch das vergess ich
wenn ich alle Gedanken an dich verlier
ich wünschte es ginge
ich traue mich nicht
ich brauch dich
denn ich bin der dunkle Keller
und du bist das Licht
ich hätte es gern heller
doch mir fehlt der Mut
doch wenn ich jetzt zöger
dann rieselt der Sand
und irgendwann wäscht dann die Flut
alles davon von dem ich dachte es wäre gut

Warum kann Freundschaft nicht grenzenlos sein
Sie fliegt in den Himmel
Um der Sonne näher zu sein
doch dann kommt die Liebe
und fängt dich ein
sie sperrt sie in einen Käfig
mit blutroten Stäben
ohne Blick nach oben
wo die Schmetterlinge
in fremden Bäuchen toben
man sieht bloß nach unten
wo die Blicke sich treffen
mit großem Knall
und aus der Explosion
entsteht das was wahre Liebe ist

11.3.09 - Ode an die Freundschaft

Sonntag, 8. März 2009

Gedicht: Wenn Schiffe zu Grunde gehen

Wir waren Brüder
doch es ist nichts mehr wie es war
und wie es sein soll
hast du genau im kopf
doch du hast mich betrogen
mit einer Bohnensuppe und ein bisschen Speck
und einem Haufen Ziegenhaaren
du bist Israel und ich bin Abel
und ich denk an eine Zweistaatenlösung
auch wenn sich das nicht mit deinen Plänen deckt
du hast das Band unserer Freundschaft mit Kerosin benetzt
und jetzt sagst du entsetzt
was wenn sich wer verletzt

Ich brenne lichterloh
wie ein Haufen trocknes Stroh
und wenn du jetzt denkst
dass ich uns in unsichere Gefielde lenk
dann muss ich mich fragen
warst du die ganze Zeit an Deck
oder hast du dich versteckt
und die Lecks gestopft
es hat die ganzen Zeit getropft
Wasser zieht das Heck in die Tiefe
Feuer steigt vom Achterdeck in die Höhe

wo willst du mit diesem Schiff noch hin
besser wärs wir hätten es auf Sand gesetzt
denn wo es jetzt liegt taucht es nicht mehr auf

Wenn Schiffe zu Grunde gehen - 08.03.09

Samstag, 7. März 2009

Gedicht: Klar Schiff

Und wenn man merkt
da war die Jugend am Werk
als wir uns so gut verstanden
und wenn wir hier an Land gehen
wissen wir die Liebe bleibt an Bord
und 1 und 1 und 2 macht vier
Jahre seit die Seile fielen
die schönen und auch die guten
und die stürmischen
sind im Logbuch vermerkt
und wir beide wissen welche überwiegen
wenn wir es jetzt schließen
und unser Schiff versenken in den Fluten
die es schufen

Klar Schiff - 07.03.2009